• Rakel

Gibt es unterwegs Toiletten? Und andere wichtige Fragen für eine Reittour.

Der unangefochtene Spitzenreiter: „Wie ist das Wetter heute?“

Ähhmm, es ist Wetter… Ganz ehrlich, oft wissen wir es selbst nicht so genau, als dass wir darauf wetten würden. Weil unter diesen Umständen darauf zu wetten, könnte heissen, nur eine dünne Jacke mitzunehmen. Und wenn Du die Wette verlierst, wirst du jämmerlich frieren auf deinem Pferd. Nicht lustig…

Natürlich gibt es eine Wetterstation und offizielle Vorhersagen mit allen Details zu Wind, Temperatur oder sogar Erdbeben. Aber wie fest will man einer Vorhersage trauen, wenn man weiss, dass sich der Wind in einem Augenaufschlag um 180 Grad wenden kann und das Wetter von Sonne zu Schnee verändern kann? Daher besser auf der sicheren Seite und mit Zwiebellook gut ausgerüstet.

Einfach zu beantworten: „Wie alt ist dieses Pferd?“

Sie/er ist 15 +/- 7 Jahre alt.

Ok, ich gebe euch noch ein paar zusätzliche Informationen. Die obige Altersspanne passt tatsächlich für sicher 95 % aller Pferde, die wir mit auf Tour nehmen. Manchmal laufen jüngere Tiere mit, jedoch lediglich zum Training, sie werden nicht geritten. Einige eingesetzte Pferde sind auch älter als 22 jährig und immer noch so stark und gesund, dass du es ihnen nicht anmerken wirst, wenn du sie triffst.

Man kann sagen, sobald und solange ein Pferd körperlich und mental stark genug ist um Touren mitzumachen, nehmen wir es mit. Und wie auch bei Menschen entwickeln sich einige schneller und andere bleiben länger „rüstig“. Es kann also nicht einfach strickt nach Jahrgang entschieden werden, wer mit von der Partie sein wird.


Der Hitchcock: "Warum trägt die Crew ihren Reithelm oder nimmt ein Stück Holz mit beim Einfangen der Pferde auf der Weide?"

Schon einmal davon gehört, dass gewisse Vögel am Boden nisten? Kannst Du dir vorstellen, wie die reagieren, wenn jemand in deren Revier eindringt? Sie greifen an! Wie verrückt! Das volle Programm – inclusive Soundeffekt! Und sie machen nicht nur Lärm und drohen, dass eventuell etwas geschehen könnte. Nein, die machen keine Gefangenen und gehen aufs Ganze. Attacke von oben wie aus dem Lehrbuch für Kamikazeflieger. Jemals den Film „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock gesehen? So ähnlich sieht das dann aus, wenn eine Kolonie aufgebrachter Krías (Küstenseeschwalbe) um das Leben ihrer Kücken kämpft. Darum vermassle es dir nicht mit ihnen und wenn doch, schütze deinen Skalp!


Die Wichtige: "Gibt es unterwegs Brunnen oder einen Wasserhahn um die Wasserflasche aufzufüllen?"

Nein, aber es hat Flüsse.

Etwas von den Dingen, die an Islands Natur staunenswert sind, sind die klaren Flüsse mit trinkbarem (und köstlichem) Wasser. Nun, ich würde nicht gerade direkt unterhalb einer Aluminiumfabrik oder inmitten einer Schafweide aus dem Fluss trinken. Aber normalerweise hat man gute Chancen seinen Durst unterwegs direkt am Fluss stillen zu können. Manchmal sind die Wasserläufe zwar in unserer unmittelbaren Nähe aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Wenn du also gerne vom natürlichen Refill profitieren möchtest, lass es uns wissen und wir zeigen Dir die entsprechenden Stellen.


Die Erleichternde (oder Wichtigste): "Gibt es unterwegs Toiletten?"

Ja, bei jeder Pause, direkt hinter deinem Pferd. Nein, das ist kein Witz. Dein Pferd gibt dir vermutlich die best mögliche Deckung um in Ruhe deinem Geschäft nachzugehen. Denn in Island gibt es nicht viele Bäume, die wir Festlandbewohner sonst so gerne als stilles Örtchen benutzen. Aber mit etwas Glück findest Du ab und zu einen etwas grösseren Stein oder eine Mulde in Gehdistanz, die als Sichtschutz taugt.

Beim Pinkeln in freier Wildbahn in Island gibt es zwei wichtige Punkte zu beachten:

  1. Immer mit dem Wind! It’s blowing in the wind, lalalalala – oder du „duschst“ dich selber in eher unangenehmer Weise.

  2. Gebrauchtes Papier immer einpacken und zu Hause auf dem Hof in den Abfall werfen. Das Papier wird nämlich nicht verrotten und noch Jahre in der Landschaft herumliegen, diese Verschmutzen und im schlimmsten Fall eine Gefahr für Tiere darstellen.

Die beschämende: "Wie oft fallen Reiter vom Pferd?"

Um ehrlich zu sein, die korrekte Frage würde lauten: Wie oft fallen Teammitglieder vom Pferd? Wirklich, meistens sind es wir (Staff) die von unseren Pferden rutschen, fallen, fliegen und nicht die Gäste.

Ich habe alle schon mal unfreiwillig absteigen sehen, ausser Siggi. Und natürlich nehmen wir uns selbst und uns auch gegenseitig hoch! Gerne auch immer wieder ;-).

Es gibt keinen zwingend Grund, warum die Verteilung zwischen Staff und Gästen so unausgeglichen ist. Wir reiten keine verrückten Pferde, benehmen uns nicht doof oder sind unkonzentriert (ok, manchmal vielleicht etwas übermütig oder so…) aber eben, normalerweise kein offensichtlicher Grund, darum lasst uns einfach sagen: Wir sind einfach sehr anständig und nehmen die „Belastung“ von Abwürfen auf unsere Schultern.

Was immer es ist, wir sind glücklich und auch stolz, dass wir über all die Jahre, in denen wir bereits Reittouren durchführen, nur sehr wenige Unfälle zu verzeichnen haben. Und wir scheuen keinen Aufwand um dieses Level an Sicherheit für alle auch in Zukunft aufrecht zu erhalten.


Die gestresste: "Was soll ich tun, wenn mein Pferd nervös ist?"

Ganz einfach: sing!

Kein Witz – singen ist der effektivste Weg zur Entspannung. Zuerst dich selbst und als Folge davon dein Pferd.

Um zu singen musst Du richtig durchatmen (nicht nur einatmen und die Luft anhalten…) und dich aufs Singen konzentrieren. Dein Hirn kann nicht mehr alle seine Energie auf Dinge wie: «Sch… was soll ich tun, was tut mein Pferd gerade, was mache ich falsch, ich will nicht runter fallen, ich kann gar nicht mehr an den Zügeln ziehen, ich bin verloren» verwenden (eine Kombination all dieser Dinge ist extrem selten!).

Um zu singen musst Du «automatisch» deine verspannten Muskeln entspannen und die steifen Arme und Beine lockern um fähig zu sein, die fürs Singen notwendigen Muskeln zu benutzen. Und wenn Du dann entspannt im Sattel sitzt und wieder tief ein- und ausatmest, dadurch nicht länger dein Pferd mit den Beinen umklammerst und mit deiner Körperspannung Druck ausübst, währenddessen Du gleichzeitig an den Zügeln ziehst um es zurück zu halten, dann wird dein Pferd mit grosser Wahrscheinlichkeit ebenso mit Entspannung reagieren. Pferde wählen immer den für sie am einfachsten scheinende Weg, und Stress ist nie einfach. Also gib ihnen eine bessere Alternative und nimm sie entspannt mit dir mit.



Zwei Arten Wetter zur gleichen Zeit.

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Sigurður Jóhannsson and Ólöf Guðbrandsdóttir

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