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Du musst dich ausziehen! Baden in Island

Schwimmen und Baden hat seinen ganz eigenen Stellenwert in der isländischen Kultur. Früher war es wichtig um die Überlebenschancen der Fischer zu verbessern, es ist gesund und die Schwimmbäder sind ein Platz zum Sonnenbaden, Kontakte zu pflegen oder neue zu knüpfen. Seit vielen Jahren bereits ist Schwimmen ein obligatorisches Schulfach.

Ich vermute, Island hat eine der höchsten Dichten von Schwimmbädern überhaupt – weltweit! Einige Zahlen um meine Theorie zu stützen:

In der Region um Reykjavik mit ihren 120‘000 Einwohnern gibt es 17 Schwimmbäder! Über das ganze Land verteilt habe ich 95 gezählt, das macht dann 78 für die restlichen 210‘000.- Insulaner. Viele der Bäder sind das ganze Jahr geöffnet.

Zum Vergleich: In meiner Heimatstadt mit 400’000 Einwohnern gibt es 7 Schwimmbäder, die das ganze Jahr geöffnet sind und im Sommer zusätzliche 19 Aussenbäder.

Wenn Du also in einem Land mit 95 Bademöglichkeiten und nur gerade 30 Dörfern, die mehr als 1000 Einwohner zählen, herumreist, wirst Du mit grosser Wahrscheinlichkeit irgendwo mal in einem Schwimmbad landen. Wie überall an Orten mit vielen Menschen auf einmal, kann man auch beim Baden allerlei Charaktere ausmachen. Jene die mit stolz geschwellter Brust herum flanieren genauso wie die, die versuchen möglichst unauffällig herein zu schleichen und sich im Wasser zu verstecken. Aber in Island passiert bereits in der Umkleidekabine etwas!

Es gibt nämlich eine Regel (meist von den Mitarbeitern kontrolliert), die den Besuchern aus anderen Ländern jedoch nicht geläufig ist. Nach dem ersten Schock, löst sie meist ein Kichern aus.


Du musst dich ausziehen!


Das heisst: Vor dem Schwimmen wird nicht nur geduscht sondern es wird nackt geduscht. Ohne Badeanzug oder Bikini. Und du wäschst dich ganz wie zu Hause von deiner Nasenspitze bis zu den Zehen, mit Seife (steht zur Verfügung). Warum? Ich weiss es nicht ganz genau. Die beste Antwort, die ich auf meine Anfrage erhalten habe, kommt von einer jungen isländische Frau: “Den Bädern ist nicht viel Chlor beigemischt und es ist irgendwie auch doof wenn man ein gemeinschaftlich genutztes Bad dreckig betritt sodass man dann den Schmutz miteinander teilt/austauscht.“ Vielleicht ist es aber auch ein Überbleibsel aus alten Tagen, wo baden/duschen nicht in jedem Haus möglich war und die Leute vielleicht direkt vom Stall ins öffentliche Bad des Dorfes gingen.


Nebenbei: Wir bitten unsere Gäste ebenfalls zu duschen, bevor sie sich ins Sprudelbad setzen. So kann es frei von Sonnencremerückständen sowie vom Reiten mitgebrachtem Sand und Schlamm gehalten werden. Aber wir stellen private Duschen zur Verfügung ;-).

Reisetipp: In vielen Bädern kann man Mehrfachkarten kaufen. Wenn Du als planst mehr als 5 x zum Baden zu gehen (oder ihr in einer Gruppe reist) ist eine solche Karte die günstigste Variante.


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PS: Die neue offizielle Mitteilung, die in den Bädern hängt: Jeder Gast muss sich gründlich und ohne Badeanzug waschen bevor er das Bad betritt. Der Badeanzug muss sauber sein.

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Sigurður Jóhannsson and Ólöf Guðbrandsdóttir

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